Freitag, 15. Mai 2009

Kimberley hoch zwei

Das heute war ein Wahnsinns Erlebnis. Ich hatte einen Flug mit Bootsfahrt zu den „Horizontal Waterfalls“ in den Kimberley gebucht. Es ging früh um 6 mit Sonnenaufgang vom Airport Broome in die Luft (pick up im Resort um 5:30, Wecker um 4:45...) mit knapp 90 minütigem Flug in die Küstenregion nördlich des King Sound, zur Talbot Bay. Dort gibt es zwei Meeresarme / Fjorde, die nur durch schmale Felsengen mit der größeren Meeresbucht verbunden sind. Die eine Enge ist ca. 40 breit, die zweite, hintere bloß 15 m. Der Tidenhub beträgt normal zwischen 8 und 10 m; das viele Wasser strömt also viermal am Tag durch diese engen Felsenspalten hinein und heraus. Da das nicht so schnell geht, ergibt sich mit dem starken Sog des Hubs ein sog. horizontaler Wasserfall, „horizontal waterfall“, ein Naturschauspiel, dass es meines Wissens nur hier in Westaustralien zu erleben gibt, und das in der ohnehin schon einmaligen Wildnis der Kimberley.


Alles war perfekt organisiert. Das Flugboot landete in der äußeren Bay, wir stiegen ins Jetstream-Boot um, und dann ging die Post ab: auf die Felsspalten zu, und wasseraufwärts hindurch! Die zweite Spalte war so eng, dass die Durchfahrt erst etwas später bei nachlassendem Druck möglich war. Grandios! Dazwischen wurde auf einem weiteren Boot Frühstück serviert, während wir die inneren Buchten entlang fuhren und die einmalige Bergwelt dieser Küstenregion bestaunen konnten: Faltengebirge in Australien, das war für mich etwas ganz Neues; die Faltungen sind auch fast halb so alt wie die Erde insgesamt, nämlich ca. 2 Mrd. Jahre, als der australische Kontinent noch mit dem indischen Kontinent (damals noch nicht Subkontinent!) kollidierte. Außerdem gab es eine faszinierende Tierwelt gratis: Delfine, Haie, große Salzwasserkrokodile, alle in freier Wildbahn, die „stinger“ und „box jellies“ gar nicht mit gerechnet, also eine Meeresregion, wo man besser nicht baden sollte. Überhaupt sind die Kimberley zwar von einer atemberaubenden Schönheit, aber nicht ganz ungefährlich. Dass sie der Mensch (außer den Aboriginals) bisher gemieden hat, ist also nicht ganz zufällig. Unsere Tour wurde samt allem Support ausschließlich über Luft oder Wasser ohne jeden Landkontakt durchgeführt. Es gibt inzwischen recht exklusive kleine Kreuzfahrten über eine Woche in diese Region hinein. Auch dafür dienen die von uns besuchten Ponton - Stationen als Basis.

Danach flogen wir über das Buccaneer Archipel und dann immer der Kimberley - Küste entlang bis zum Cape Leveque, einem gerade noch mit dem Auto erreichbaren Ort (auch Wikipedia wird geradezu dürftig...). Der Rest ist Wildnis, eine der letzten „frontiers“, die es auf der Welt gibt. Außer mit Schiff oder Flugzeug kommt man dort in den hohen Kimberley nirgendwo hin. Weiter ging dann der Flug der Küste entlang wieder auf Broome zu, wo wir den Cable Beach nun einmal von oben zu sehen bekamen. Es war insgesamt alles ein unbeschreiblich schönes und einmaliges Erlebnis; die reichlichen Fotos (auf Vorschaubild klicken oder direkt in meinem Picasa Webalbum) geben davon einen Eindruck wieder. In all den Highlights noch ein weiteres absolutes Highlight. Ich bin sehr froh, diese nicht ganz billige Tour gemacht zu haben. Wie es mir dabei geht? Irgendwie sonderlich. Mir ist bewusst, dass ich etwas ganz Außerordentliches erlebe, und doch geht es vonstatten wie sonst etwas ganz Normales. So ist auch mein Gefühl dabei: Ganz cool und relaxed (Westaustralia like), und doch unglaublich erfüllt und angespannt angesichts all dieser ungeahnten neuen Erlebnisse und Erfahrungen. - Nach der Rückkehr mittags bin ich aufs Bett gefallen und habe eine Stunde geschlafen, vielleicht eine ganz natürliche Schutzreaktion für Körper und Seele.

Morgen geht es nun weiter Richtung Osten nach Fitzroy Crossing am Fluss selben Namens. Mal sehen, ob er nach dem Ende der “wet season“ noch Wasser führt. Sonntag fahre ich dann eine längere Strecke nordöstlich bis nach Kununurra. Dort gibt es dann mit den Bungle Bungles und dem 4WD-Ausflug zur El Questro Station wieder einiges Neue von den Kimberley zu sehen. Ob es dort allerdings brauchbares Internet gibt, wage ich zu bezweifeln; das wird wohl erst wieder in Darwin gut sein, also nicht wundern, wenn es in den nächsten Tagen im Blog und Webalbum etwas ruhiger wird. Schaut euch einfach die bisherigen Fotos noch einmal an! Ich selber kann die Fülle der Erlebnisse ja kaum begreifen... Heute Abend habe ich noch einmal ein ausgezeichnetes Dinner hier im Resort gehabt, mit allem Drum und Dran. Das Auto ist durchgecheckt und vollgetankt, morgen früh geht es dann auf den letzten Teil der langen Fahrt durch Australiens Westen.

Donnerstag, 14. Mai 2009

beaches - corcodiles - sunset


Eigentlich gibt es nicht viel zu erzählen; es war ein wunderschöner Pausentag, echt zum Entspannen, am Strand lang wandern, ein wenig shoppen gehen, Auszeit haben. Was ich dabei gesehen habe, zeigen die Webalben - einfach auf die Bilder hier klicken!

Sogar Kamele und Krokodile waren dabei, aber nur im Crocodile Park, ist mir auch lieber... Und dann am Cable Beach - allmählich sollte jeder durch Wikipedia wissen, warum der so heißt - noch ein wunderschöner Sonnenuntergang, seht selbst und freut euch mit an den Bildern.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Broome und mehr



Broome ist ein nettes Städtchen, ein bisschen sehr weitläufig vielleicht; man braucht das Auto oder eben den Bus (verkehrt nur tagsüber). Noch ist es hier sehr ruhig, denn die Hochsaison (=Winter) beginnt erst richtig im Juni. Dann fallen die sonnen- und wärmehungrigen Melbourner und andere aus dem Südosten hier richtig ein: Südaustralier-Grill in Abwandlung des „Teutonengrills“ in Rimini. Besonders Senioren zieht es hierher, derzeit sind hier im Resort und im Straßenbild fast nur ältere Leute zu sehen. Das soll noch erheblich zunehmen, ähnlich wie auf Mallorca oder in Florida. Nur, hier ist alles eben viel, viel kleiner und kompakter. Broome hat man in einem Tag „durch“; an die unglaublichen Schönheiten der Küste gewöhnt man sich fast zu schnell, siehe Bilder. Der Rest ist Sonne, Sand und Strand satt. Noch haben nicht alle Restaurants auf, aber es gibt genug. Der Airport liegt mitten in der Stadt, da hört man dann die Sonnenanbeter-Jets landen; so viele sind es aber noch nicht. Es ist hier wie überall in Westaustralien, sehr relaxed („no worry“), vielleicht doch noch etwas mehr, tropisch halt. Also kein besonderer Ort zum Sightseeing (von den Perlengeschäften einmal abgesehen, was die zu bieten haben, ist schon kolossal), sondern zum – na klar – entspannt genießen: „sit down, lean back, relax“! - No worry!

Ein Thema möchte ich ansprechen, dass etwas heikel ist, weil öffentlich sehr stark von 'political correctness' geprägt. Ich schreibe darum nur das, was ich selber beobachtet habe, und zwar alles. Es geht um die aboriginal people. Normalerweise sieht man sie in der Nähe von Bottleshops herumlungern, abgerissene Gestalten, ziemlich unterste Etage. Wenn nicht dort, dann findet man Gruppen in den städtischen Parks unter Bäumen im Schatten, meist mehr als 10 Personen, um sich herum Plastiktüten, leere Bier- und Coladosen und Flaschen, in denen Alkohol war. Der Umkreis von 10 m sieht wie eine Müllwiese aus, sogar wie hier in Broome direkt neben dem Visitor Center. Man schaut offenbar offiziell drüber weg. Arbeitende Aboriginals habe ich bisher nur zweimal gesehen, und es waren auch genau 2 Personen: eine junge freundliche Beraterin im Visitor Center in Carnarvon und ebenso dort ein ordentlicher Mann, der für Woolworth im Firmendress die Einkaufswagen zusammen schob. Mehr arbeitende habe ich nicht gesehen, auf der ganzen Fahrt nicht. In Pt. Hedland sind mir in einem Schellimbiss zumindest recht ordentlich aussehende Aboriginals begegnet, sehr dick zwar, aber recht „normal“ aussehend. Der Rest, den man zu sehen bekommt, ist meist Abschaum. Ich verwende das Wort bewusst, denn es ist vom optischen Eindruck genau so. Das ist also die Wirklichkeit der „aboriginal culture“. Was immer gewesen ist – die Aboriginals haben ihre Zeit gehabt und leben jetzt in einer für sie verkehrten Welt. Au sorry, das war schon meine Interpretation. Anyway – die Realität der aboriginal people ist alles andere als auch nur im geringsten ansehnlich oder schön. Was der Tourist in „aboriginal shows“ zu sehen bekommt (auch die gibt es hier), sind wirklich einstudierte shows. Sie lassen sich gut verkaufen, haben aber mit der Lebenswirklichkeit der ehemaligen Urbevölkerung kaum etwas zu tun. Die Legende von der „träumenden Schlange“ gefällt eben den Weißen, und ich vermute mal: Weiße verdienen daran am besten. Die Wirklichkeit der Aboriginals, die man zu sehen kriegt, ist die eines verlorenen Restes. Nicht einmal der Vergleich mit den Afroamerikanern passt hier. Denn in Australien kommt in dieser Hinsicht alles zu spät. Es ist hart, aber wahr. Die Digeridoos stammen halt meist aus China. That's life. Das ist zumindest das, was ich gesehen und irgendwie eingeordnet habe. Zu irgendeiner Glorifizierung des „einfachen natürlichen Lebens“ der Aboriginals gibt es null Anlass.

Nicht korrekt, aber wahr.

Dienstag, 12. Mai 2009

Wahnsinns Weite


Montag, 11.05.
Ich bin in der Pilbara, im „Rio Tinto“ und „BhP Billiton“ - Land. Der nationale Great Northern Hwy zwischen Newman und Pt. Hedland scheint mehr eine Privatstraße dieser beiden großen Bergbau- und Mineralfirmen zu sein. Ich schätze, dass 80 – 90 % der Fahrzeuge, die ich heute sah, zu einer der beiden Firmen gehörte. In Pt. Hedland ist das eher noch stärker der Fall: Privatautos sieht man nur nach Feierabend. Die Firmenfahrzeuge (PKW; LKW sowieso) haben ihre eigenen großen Nummernschilder (Abkürzung der Mine und Ziffern) zusätzlich zu den kleinen staatlichen Plaketten, und eine eigene leuchtend gelbe Markierung. In Pt. Hedland scheint es fast nur Angestellte dieser riesigen Firmen zu geben. Sie tragen eine eigene Kleidung, besondere Shirts und Hosen: leuchtend gelb mit reflektierenden Streifen die Vorarbeiter und Ingenieure, denke ich (einige wenige tragen einen aufgedruckten Namen auf der linken Brust, wohl die mittleren „Bosse“), orange und entschieden dreckiger, aber auch mit reflektierenden Sicherheitsstreifen, die Handarbeiter. Hier im Hotel sind 80% Gäste von einer der beiden Firmen, wie ich an den Dienstfahrzeugen und an der Uniform erkenne, as meiste wohl Ingenieure. Abends zum Essen kommen sie aber leger in Zivil. Solch ein Mittelklasse-Motel wie dieses lebt von diesen Firmen und ihren Zulieferern, - ich denke, ganz Pt. Hedland und die Region Pilbara lebt mit dem Wohlergehen dieser Multis. Derzeit sind Rohstoffe und Erze ja sehr begehrt; China wollte Anfang des Jahres PHB Billiton aufkaufen = die Mehrheit der Aktien erwerben, was der australische Staat aber verhindert hat. Noch schlummern in den Bergen der Hamersley Range Millionen Tonnen des Erzes, das hier zu recht „rotes Gold“ genannt wird. In Pt. Hedland pulst das Hafenleben dieser Minen, und hier wird gutes Geld und schnelles Geld gemacht – und auch leicht wieder ausgegeben. Ich habe beobachtet, dass als Bier besonders das mexikanische „Corona“ beliebt ist – und teuer. Es wird hier 1/3 literweise aus Flaschen konsumiert, und zwar gerne. Ruhig wird es hier im „All Seasons“ dennoch bleiben, denn es wird zwar früh dunkel (Sonnenuntergang jetzt 5.40 pm, Aufgang 6.30 am), aber weil es früh hell wird, geht es auch früh wieder los: Hier im Motel ist Frühstück ab 6.30 am angesagt.

In Pt.Hedland ist es wieder richtig schön warm, 32° waren es heute Mittag. Jetzt abends sind es bestimmt noch gut 24°, also sehr angenehm, zumal beim Dinner draußen auf der Terrasse am Indischen Ozean. In Tom Price war es mir letzte Nacht einfach (ungeheizt) zu kalt: Bei 8° in der Nacht habe ich mir im Bett der leicht gebauten Cabin einen Pullover angezogen. Jetzt ist es also wieder „lecker warm“, und das soll auch künftig (Broome!) so bleiben. Ich sah heute übrigens mit Bewusstsein zum ersten Mal wieder ein hoch fliegendes Flugzeug mit Kondensstreifen; mir fiel auf, dass Westaustralien so abseits der Fluglinien (wörtlich!) liegt, dass man keine großen Flugzeuge sieht oder hört. Die Verbindungen laufen halt von Punkt zu Punkt, also zu den Großstädten im Osten; seit Perth sieht und hört man nichts – bis heute. Ich habe überlegt: Von der Richtung des Flugzeuges her könnte es die Linie von Dubai nach Sydney sein...

Noch eine kleine Beobachtung sprachlicher Art. Ich habe mir nun auch angewöhnt, korrekt und umfassend zu grüßen. Bei Jüngeren heißt es zwar häufig gegenseitig nur „Hi“, aber ebenso oft auch mit dem folgenden „how are you (going)“? Dies ist nicht, wie ich anfangs dachte, eine bloße Floskel, sondern eine Redensart, die höflicherweise beantwortet werden will: „How are you?“ - „Good.“ oder „Not too bad.“ oder „Very well.“ - Daraufhin hat die Gegenfrage zu erfolgen: „And how are YOU?“ Man bekommt garantiert eine vollständige Antwort, auch wenn man sich schon wieder 3 m entfernt hat! NICHT zu antworten gilt offenbar als sehr unhöflich. Wenn man irgendwo zusammen steht und nicht nur aneinander vorbei geht, zum Beispiel an einem Aussichtspunkt im Nationalpark, dann ergibt sich daraus sehr schnell ein weiteres Gespräch, „small talk“. Eine sehr nette und wohl noch recht britische Eigenheit. Es ist auch gegenüber Personal, das einen bedient, eben genau so üblich; man fragt zuerst, wie es einem geht, und dann erfolgt auch die Gegenfrage – und schon ist man im Gespräch. Nicht schlecht („not too bad“), diese Weise der gesellschaftlichen Kommunikation, die auch und sogar im Canyon eines NP's gilt...

Weitere Beobachtung: Bekannt war mir aus den USA die Redensart „you are welcome“, was nichts weiter als „gern geschehen“ bedeutet, also nichts mit „du bist willkommen“ oder so zu tun hat. Hier in Australien, vielleicht nur im Westen Australiens (ich werde mal in Sydney darauf achten), ist der beliebteste Ausdruck „no worry“, was meist auch nur „gern geschehen“ heißt, aber auch in vielen anderen Situationen anwendbar ist und dann so viel wie „kein Problem“, „klar doch“ (amerikanisch „sure“) bedeutet. „No worry, be happy“, das könnte das westaustralische Lebensgefühl durchaus abbilden. Jedenfalls ist „no worry“ die häufigste Antwort, die man hier in allen möglichen Situationen zu hören bekommt: zustimmend, beruhigend, bestätigend, klärend, indifferent, nett, - halt „no worry“! Ich frage mich manchmal, ob die ursprüngliche Bedeutung in der Redeweise 'to worry about sth.' hier überhaupt noch anwendbar ist... „O sorry!“ - „No worry!“

Übrigens: Auf meinem Nachttisch liegt die letzte Ausgabe der „Australia's Mining Monthly“ … :-)




Dienstag, 12.05.
Das Frühstück war früh: Der arbeitende Teil der Motelgäste (= die meisten) waren um 6.30 beim breakfast versammelt. Es sind ruhige und freundliche Typen, die bestimmt einen harten Job haben. Auch bei ihnen steht übrigens „Muesli“ hoch im Kurs... Die TV-Morgensendung lief, eine irgendwie nette Atmosphäre; jedenfalls habe ich mich in diesem Kreis wohl gefühlt und ein paar Worte gewechselt.

Dann gings auf die längere Strecke nach Broome, 620 km, also mit Pause 7 Stunden. Wer übrigens einen fable für „roadtrains“ hat, kommt bei Pt.Hedland morgens voll auf seine Kosten. Da starten dann diese Schwerlastzüge, meist mit Öl bzw. Benzin oder mit Erzen aus den Minen beladen, voll oder noch leer, das merkt man daran wie sie „beschleunigen“. Hier im Norden haben sie in der Regel drei lange Hänger hinter dem Zug-LKW, reizen also ihre erlaubten 35 m (!) Länge voll aus. Zum Überholen braucht man dafür schon etwas Anlauf und freie Strecke!

Aber die gibt es nach Broome hin ja genug. Die Minen hören auch nach ca. 80 km auf, danach ist Ruhe auf der Piste. Es wird etwas eintönig, wenn auch viel weniger langweilig, als ich dachte. Irgendetwas ändert sich eben doch immer – bis auf die letzten 300 km, da änderte sich eigentlich nichts: endloser Busch! Aber wenigstens grün war es, bis auf die Abschnitte, in denen gerade Buschfeuer (normale Sache) brannten oder gebrannt hatten. Immerhin gab es auf den 600 km keine weitere Ortschaft, nur noch 2 Roadhäuser, die sich aber auf die ersten 300 km verteilten, und sonst außer Kängurus nichts. Bei dem Durchfahren dieses weiten Kontinents fällt mir vor allem der weite Himmel auf. Es ist ähnlich wie auf dem Meer, oder manchmal beim Fliegen. Heute war der schier endlose Himmel (erst recht nachts!) etwas bewölkt, nur leichte hohe Bewölkung, aber immerhin Der Himmel hatte eine Struktur. Wahnsinn! Mir wurde ganz anders zu Mute, ehrfürchtig, demütig. Was sind wir Menschen bloß für ein Gewürm!

Immerhin schaffen „wir“ es, immer wieder Oasen zu bauen. Eine solche ist Broome. Wer wie üblich mit dem Flugzeug hier ankommt, merkt nicht einmal etwas von der schönen einsamen Weite, in der Broome gelegen ist. Hier tobt das Touristenleben, d.h. noch nicht so richtig, denn es ist Herbst, also hier Vorsaison. Lest bei Wikipedia über diesen Ort nach! Ich werde ihn entdecken, und die Kimberley dazu. Ich habe heute noch etwas ganz Spezielles gebucht...

Ach ja, dazwischen der 80 miles beach. Tolle Sache, aber nur zum Angeln, nicht zum Baden: Box-Jellies (= gefährliche Giftquallen)! Die verschwinden im Winter zum Glück von diesen Küsten. Noch einmal eine wunderschöne endlose Weite: Meer und Sand und Muscheln!

Heute ist für mich Halbzeit, kaum zu glauben. In vier Wochen soll ich um diese Zeit schon wieder in München gelandet sein. Ich habe mir einen Cognac genehmigt nach dem Dinner. Ich finde, der Anlass ist es wert. Immerhin habe ich schon fast 4000 km mit dem Auto zurückgelegt mit allen Zickzacks, und unglaublich viel gesehen. Die Zeit ist vergangen wie im Fluge. Ich empfinde das kaum, denn ich denke nur in „morgen“ und allenfalls „übermorgen“ und decke die Erfahrungen des vergangenen Tages mit neuen Erlebnissen zu. Dieses Blog und ihr, liebe Leser, helft mir dabei, nicht alles sofort zu vergessen, sondern im Nachdenken und Nachgehen ein Stückchen von dem festzuhalten, was wir „Erinnerung“ und „Erfahrung“ nennen. Eine solche Reise bringt einen wahrlich zu neuen, ganz anderen (Selbst-) Wahrnehmungen. Die Zeit vergeht, und ist man erst mal „über den Berg“, vergeht sie noch schneller. Ich werde mir darüber keinen Kopf zerbrechen, sondern weiterhin voller Neugier und positiver Stimmung und Erwartung den Dingen entgegensehen, die da noch auf mich zu kommen werden. - Ein paar Bilder „aside“.

Sonntag, 10. Mai 2009

Wunder der Pilbara

Samstag, 09.05.
Nicht dass ich keine Lust zum Schreiben oder Fotografieren mehr gehabt hätte – es stand einfach kein brauchbares Internet zur Verfungung – und auch kaum Zeit! Zuerst habe ich jetzt den doppelten Eintrag vorher korrigiert; gleich gibt es vielleicht auch noch Bilder (für die Diashow auf das kleine quadratische Bild klicken!).

Die lange Autofahrt am Samstag (knapp 7 Stunden mit Pause, 630 km) begann früh um 7 Uhr und brachte dann nach 3 Stunden einige Überraschungen. Sowie ich vom North West Coastal Hwy nach Osten abbog, ging es ins Gebirge! Also für Australien, zumal Westaustralien, ist die Hamersley Range der bestimmende Gebirgsstock der hiesigen Pilbara-Region. Er erstreckt sich über einige hundert Kilometer und gehört zu den ältesten Gebirgen Australiens und der Welt überhaupt, geschätzt 2 Milliarden Jahre mit Bergen über 1200 m. Hier liegt das Eisen noch massenhaft an der Erdoberfläche, ja ganze Berge sind aus reinem Eisenerz. Das macht den Reichtum der Region aus, denn dieses Erz wird in riesigem Tagebau in verschiedenen Minen abgebaut und mit der Bahn zu den Häfen (Karratha, Port Hedland) gebracht. Die gesamte Infrastruktur, Straßen, Energie- und Wasserversorgung, Bahnlinien, Siedlungsgebiete sind ursprünglich von den hiesigen Minengesellschaften (heute alles Rio Tinto) erstellt worden. Erst seit wenigen Jahren hat der Staat Westaustralien das meiste davon übernommen, und so wurde auch Tom Price von einer firmeneigenen Bergbausiedlung zu einer richtigen offenen Stadt. Noch immer aber gibt es Straßen, die nur der Minengesellschaft gehören; für die braucht man dann ein eigenes Permit. Tom Price ist gar nicht so öde wie vorhergesagt, sondern ist eine hoch gelegene Stadt (743 m) im Grünen; alles Notwendige ist vorhanden, einschl. Krankenhaus und Golfplatz. 50 km entfernt beginnt der Karijini NP; dessentwegen bin ich hier, und dorthin will ich dann morgen.




Meine Unterkunft in einer gut ausgestatteten Cabin auf dem Caravanplatz am Mt. Nameless hat einen eigenen Charme. Der Caravan Park liegt zwar ein paar Kilometer außerhalb, aber dafür mitten in der Natur mit schönem Ausblick und herrlicher Ruhe! Ich habe mich schnell daran gewöhnt und finde es eigentlich himmlisch hier, nicht nur wegen des lockenden Mt. Nameless (siehe Fotos)! Nur kühl ist es; am Tage waren es nur 25°, nachts habe ich seit langem zum ersten Mal gefröstelt (es waren 9° wie ich später erfuhr)! Dass ich in dem „Hitzeloch“ Tom Price einen Pullover brauchen würde, hätte ich nicht gedacht.

Sonntag, 10.05.
Karijini NP ist fantastisch! Ihr müsst die Bilder dazu sehen, damit ihr euch eine ungefähre Vorstellung von diesem zweitgrößten Nationalpark Westaustraliens – und WA hat viele große NP's – machen könnt. Das Prägende und Beeindruckende sind die „gorges“, die Schluchten mitten im Hochland der Hamersley Range. Es sind derer 6 – 8, je nach dem, ob man einzene Arme als selbständige Schluchten zählt. Ich habe zwei davon besucht, nicht nur vom „rim trail“ aus, also von oben, sondern ich bin in beide gorges hinunter gestiegen. Die Wege sind gesichert, aber durchaus anstrengend und anspruchsvoll.




Unten in der Gorge erschließt sich erst deren ganze Schönheit: das klare Wasser, ständig fließend (für die Aboriginals darum ein heiliger Ort), oft über einen Wasserfall sich in die tiefere Schlucht ergießend – besonders schön und oft fotografiert der Fortescue Fall, siehe Webalbum - , die Eukalyptushaine auf dem Boden der Schlucht, wo immer es möglich ist, und natürlich die unglaublich beeindruckenden roten Felsformationen, hunderte Millionen Jahre alt. Leider gibt es zu den Fotos keine Geräusche und keine Düfte, denn die gehören eigentlich dazu. Die Dales Gorge ist über asphaltierte Straßen erreichbar und darum viel besucht - und leider auch manchmal etwas laut, wenn tour groups sich da durch bewegen; es hallt ziemlich wider von den Felswänden. Ganz leise, was menschliche Laute angeht, war die kleinere, aber ganz anders ebenso beeindruckende Kalamina Gorge; sie ist nur über rote „graveled roads“, also Schotterstraßen erreichbar. Da es dorthin nicht allzu weit war (25 km), habe ich mich mit meinem kleinen Astra dorthin getraut und wurde überwältigt. Diese Ruhe dort, diese roten Felsen, in platten Schichten (manchmal blau gefärbt) auf dem Grund der Schlucht, über die das Wasser Stufe um Stufe fließt – einfach wunderschön. Man möchte stundenlang weiter wandern in diese Kilometer lange Schlucht hinein! War in der Dales Gorge der Pfad bestens markiert, geeignet für tour groups eben, so fehlte in der Kalamina Gorge jede Markierung; am Ausgangspunkt stand eine ausführliche Beschreibung der Wege, auf welcher Seite der Schlucht man am besten gehen könnte, wo die Seite wegen des Wasserlaufs zu wechseln wäre – und auf gings nach Pfadfinder Art. Das hat mir am meisten Spaß gemacht! Es waren auch kaum Leute dort, einfach wunderbare Natur pur. Durch die beginnenden Winterzeit (in Tom Price kann es sogar Nachtfrost geben) ist es auch mittags nicht besonders heiß, einfach sehr angenehm. Zum Baden luden ja den, der wollte, die verschiedenen natürlichen pools ein.

Für den Karijini Park brauchte man mehr als einen Tag; ich bedauere sehr, nicht wie ursprünglich gedacht 3 Nächte geblieben zu sein; Tom Price ist ein netter kleiner Ort, der Caravan Park idyllisch, und die Möglichkeiten des Karijini NP erfordern einfach mehr Zeit. Einen ersten Eindruck habe ich gewonnen. Und – ich habe den Mt. Bruce gesehen, den zweit höchsten Berg Westaustraliens. Die Bilderschau wird von ihm eingerahmt. Er lockt und ruft: Komm wieder! Besteige mich! (ja, es gibt natürlich einen 6 Stunden trail hinauf...)

Montag, 11.05.
Und heute in Port Hedland gibt es außer Hafen nicht viel zu sehen - aber es gibt wieder schnelles Internet!! - Auf der Herfahrt habe ich noch einiges von der wunderschönen Landschaft des Karijini gesehen; es ist ja ein riesiger Nationalpark. Pt. Hedland ist nur zum Übernachten, denn morgen kommt eine lange Fahrstrecke bis hinauf nach Broome!

Freitag, 8. Mai 2009

Whalesharks - wow!



Gestern gabe es einige Überraschungen. Ich traf morgens auf der Fahrt von Coral Bay her kurz vor Exmouth auf die Cape Range Tagestour, die ich eigentlich heute machen wollte, die aber verlegt wurde. Ich war in längere Nebenstraße abgebogen, um einen besonderen Lookout zu erreichen, der im Reiseführer erwähnt wurde. Dort traf ich eine Tour-Gesellschaft - „meine“, die ich eigentlich nicht erreichen konnte! Ich habe mich ihr spontan angeschlossen und das Auto später abgeholt. Von da an war der Tag ereignisreich; die Tour dauerte bis zum Sonnenuntergang gegen 6 Uhr am Leuchtturm – und dann noch die Heimfahrt nach Exmouth. Ich kam also erst ziemlich spät im Hotel hier an, ziemlich groggi, aber sehr glücklich, denn es war eine tolle Tagestour mit einem Tour Guide, der als westaustralischer Charakter fast fernsehreife Auftritte gab. Dazu die wild-romantischen Cape Ranges und die unglaublich schönen Strände – irgendwann werden die Bilder dazu im Netz zu sehen sein. Ein Höhepunkt war die Flussfahrt auf dem Yardie Creek in den Canyon hinein, mit Mangrovenbüschen und Fels-Wallabies. Dabei traf ich auf ein paar Deutsche, die extra wegen der Wahlhaie nach Exmouth gekommen waren. Da habe ich ich wiederum spontan entschieden, mich noch rasch bei einer Whaleshark Watching Tour heute anzumelden. Heute früh um halb 8 Uhr wurde ich am Hotel abgeholt.

Was soll ich sagen, es sprengte alles Vorstellbare. Es war großartig, wahnsinnig, einmalig! Da schwimmt man nur ganz wenige Meter neben diesen Riesenhaien her, schnorchelt durchs Wasser fast auf Hautkontakt-Nähe. Davor halten einen aber die tour guides ab, denn das Berühren der Fische ist wegen der Ansteckungsgefahr (dass Menschen die Haie infizieren!) für die Tiere zu gefährlich. Unglaubliche Erlebnisse! Nicht nur einen Wahlhai gab es dort fast an der Oberfläche zu sehen, es waren viele. Der größte, den wir ganz dicht sahen, war 10 – 12 m lang. WOW – welch wunderschöne Tiere. Der Bestand wird weltweit nur noch auf 600 Tiere geschätzt. Der Mensch: Das größte Raubtier und der schlimmste Feind der wunderschönen Wahlhaie. Es war wirklich ein unglaublich eindrucksvoller Tag. Wir gingen zum Schnorcheln bei den Haien so oft ins Wasser, bis wir kaum mehr schwimmen konnten vor Erschöpfung. Es war einfach „awesome“. Zum Glück bekam ich auch einen Wahlhai vom Boot aus prima vor die kleine Lumix-Kamera: Auch diese Fotos werden irgendwann im Picasa-Album und im Blog zu sehen sein!
Was diese zwei Tage in Exmouth gebracht haben, hätte ich mir vorher nicht träumen lassen!

Mittwoch, 6. Mai 2009

Ningaloo, Ningaloo


Die Ningaloo Reef Explorer Tour war klasse. Wasser traumhaft türkis und warm, die Korallenbänke ganz dicht an der Küste, toller Katamaran, der auch richtig segelte, sehr nette kleine Gruppe, viel Spaß und Ruhe und tolles Schnorcheln. Ich hab das zum ersten Mal gemacht (am Great Barrier Reef war ich scuba diving), und es war toll und hat mir sehr gut gefallen; sollte ich öfter machen. Die Korallen waren so ungeheuer nah, man musste um sie herum schwimmen, mitten zwischen all den bunten Fischen und Schwärmen. Auf einmal war da auch ein Riff-Hai, ca. 1,20 m lang, der versteckte sich im Schatten eines Riffs; als wir ihm zu dritt zu nahe kamen, haute er schnell ab. Auch eine neue Erfahrung: snorkeling zwischen Haien! Auf den Fotos, wenn sie denn im Web zu sehen sein werden, sind all die dunklen Schattierungen im türkisfarbenen Wasser hier Korallenbänke. Das “boomnet“ war ein reiner Spaß: Man legte sich in das große Netz hinter dem Boot, und dann ging der Katamaran mit hoher Geschwindigkeit ab: whirlpool hoch 10. Danach in der Sonne relaxen vor dem nächsten Schnorchelrevier. Ein wirklich fantastischer Tag, den ich nun erst mal im Schatten verbringen und bei einem guten Dinner mit einem feinen Wein (Shiraz, SA) ausklingen lassen will.

Dienstag, 5. Mai 2009

Blasende Löcher


Hu, mein gestrige Bericht war einigen doch ein bisschen zu heftig? Gehört dazu, obwohl ich ja sonst lieber Positives beschreibe, erstens weil das gelegentliche Negative nicht der Erwähnung wert ist, zweitens weil ich ein sonniges Gemüt habe und aus allen Gegebenheiten dieser Reise das Beste machen möchte. Es gab durchaus auch schon mal ein schlechteres Motel, aber das nächste war dann wieder spitze, so what?

Thema Essen und Trinken. Man kann in Australien sehr gut essen; die Küche ist meist vielseitig und am Meer natürlich dadurch geprägt. Was ich bisher an Seafood gegessen habe, war super. Bei Steaks war es unterschiedlich, wie Rindviecher halt sind... Erstaunlich finde ich, dass die Ozzis offenbar Müsli mögen, denn bei Woolworth (Lebensmittel) fand ich verschiedene Hersteller und sogar Großpackungen, teilweise mit deutschem Umlaut, meist aber „Muesli“ geschrieben. Gehört jetzt zu meiner Grundausstattung fürs Frühstück, sehr schmackhaft. Frisches Obst und Salate werden überall reichlich angeboten, man liebt Rohkost. Überhaupt scheinen die Westaustralier auch auf der Gesundheitswelle zu schwimmen, denn „eco“ und „organic“ ist überall in den Supermärkten breit vertreten. Das ist also dem Deutschen alles sehr vertraut.

Zum Trinken, speziell Alkohol: WA hat offenbar recht restriktive Gesetze, schrieb ich schon; Alkohol gibt es nur in „Bottleshops“. Die sind auch im kleinsten Ort vertreten, auch auf Caravan Parks, sind gut ausgeschildert (!) und haben die halbe Nacht auf. Neu für mich sind hier die „bottlemarts“ mit drive-through- Schalter, damit man für die Sixpacks Stubbies gar nicht erst auszusteigen braucht. Die „Stubbies“ sind auch eine australische Lieblingsflasche, eine gedrungene „Stubsflasche“ mit 375 cl. Dafür gibt es zum Kühlhalten aus Kunststoff die sog. „Stubby Holder“, siehe letztes Foto der heutigen Serie (wenn die denn irgendwann ganz hochgeladen ist). Die sind auch als Souvenirs sehr beliebt; ich habe mir einen solchen vom Old Pearler Restaurant gekauft, wie man sieht.

Coral Bay ist eine Badespaß- und Fun-Oase mit Resorts und Caravan Parks, mit der Hauptattraktion des nahen Ningaloo Riffs. Das werde ich also morgen auf einer 4-Stunden-Cruise erleben, bin gespannt.

Montag, 4. Mai 2009

Fleischliches


Fahrtag, wenn auch nicht allzu weit, nach Carnarvon, ca. 350 km, zur Gascoyne Region. Man kann hier wirklich eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km/h annehmen: Man darf 110 km/h höchstens fahren, da es aber ganz selten Anlässe gibt, die Geschwindigkeit zu drosseln (zu überholende trailor), kommt die hohe Durchschnittsgeschwindigeit zustande. Es gibt keine Berge, nur leichte Steigungen gelegentlich; es gibt keine Kurven, sondern gelegentlich nur weit angelegte Richtungsänderungen; es gibt keine Ortschaften. Wirklich keine. Da fährt man 350 km und da gibt es nur ab und an alle 150 – 200 km ein Roadhouse, also eine Tank- und Raststätte. Sonst nichts. Wirklich nichts. Weites Land. Nicht einmal Amerika kennt solche Weiten, wie es sie im zentralen und westlichen Australien gibt. Ab und an (wie heute) stelle ich mal ein Foto aus „Fahrersicht“ (die kleine Lumix machts möglich) ins Webalbum, aber diese Aussichten müsst ihr euch für Stunden wenig wechselnd vorstellen. Jedenfalls war das heute so. Der Reiseführer machte schon auf eine langweilige Fahrstrecke aufmerksam. Aber auch Weite fasziniert!

Langweilig stimmt übrigens nicht ganz. Es gab immer mal Abwechslungsreiches zu beobachten, ok, ich gebe zu: nicht von der schönsten Art. Ich meine die „Fleischbank“ neben der Straße. Es gab einen längeren Abschnitt durch noch recht üppiges Buschland (später wurde es karger), da waren die Seitenstreifen und auch bisweilen die Fahrbahn mit Tierkadavern regelrecht gepflastert. Zuweilen lag frischer Verwesungsgeruch über der Straße, wenn es in der Nacht „Frischfleisch“ gegeben hatte. Meist waren die Opfer Känguruhs, aber auch wilde Ziegen. Man konnte sie in allen Phasen der Vergänglichkeit sehen: Nur noch Knochenreste, durch die Sonne getrocknete Fell- und Knochenhaufen („Mumien“), frische Kadaver, an denen die Raben kräftig pickten und zerrten, und noch unversehrte frische Tierleichen, die eben erst von Vögeln inspiziert wurden. Alle Innereien wurden von den Rabenvögeln offenbar restlos ausgeweidet; was übrig blieb, waren eben die Fell- und Knochenreste, die die Sonne mit der Zeit verbrannte. Ein hoher Tribut des Highways, der offenbar vor allem von den Roadtrains verursacht wird, die auch nachts mit hoher Geschwindigkeit über den Hwy. brettern. Was denen vor die Ramme kommt, kann nicht überleben. Immer wieder erstaunlich fand ich, wie genau Raben die Geschwindigkeit sich schnell nähernder Autos abschätzen können: Sie fliegen immer von den Kadavern auf dem Asphalt rechtzeitig weg; ich habe keinen einzigen toten Vogel gesehen, dafür umso mehr lebende Raben. Dieses reichliche Frischfleisch neben der Chaussee kann offenbar ganze Rabenkolonien ernähren. - Beobachtungen am Rande der Straße!

Radioempfang gibt es unterwegs auch kaum, höchstens einen Sender, dessen Masten man entlang des Hwys sehen kann. Neben dem Hwy verläuft ohnehin oft eine zweite Spur: das Energie- und Kommunikationskabel, meist in Aussi schon als Glasfaser. Darum ist Internet bisher überall als Breitband verfügbar, toll. Auch die Energieversorgung ist überall top. Der moderne Mensch hat seine Spuren sehr deutlich gelegt im Outback. Ob sie allerdings auch so beständig sind und so lange halten wie die Spuren (Felsmalereien) der Aboriginals, ist eine andere Frage. Ich habe mich mit einigen CDs eingedeckt. Die gibt es hier sinnvollerweise an den Tankstellen.

Sonntag, 3. Mai 2009

Ein Fest für die Sinne


Die heutige Tour in den Francois Peron NP war ein Fest für die Sinne, insbesondere die Augen. Diese Farben! Eigentlich gab es auf dem langen Ende der Halbinsel ja wenig Spektakuläres zu sehen. Falsch gedacht. Was sich an Formen und Farben der Landschaft und des Meeres vor einem auftat, war wirklich atemberaubend. Marvelous – seht selbst! Obwohl die Bilder nur einen ganz kleinen Eindruck wiedergeben von der Weite der Aussicht, dem Geruch und Gehör und vor allem von dem außergewöhnlichen Licht, das hier an der Spitze dieser Landzunge Cape Peron herrschte. Diese intensiven Farben, man glaubt es kaum: alles echt auf den Fotos. Dazu Haie im Wasser sowie Stachelrochen, jede Menge spielender Fische, sogar einen Dugong konnten wir sichten! Das Foto, das mir dazu 'gelang', ist allerdings nur was für Eingeweihte, weil es darauf so gut wie nichts als Wasser zu sehen gibt. Darum ist es in dem Webalbum auch nicht enthalten. Man kann vielleicht bei den Fotos ein wenig ahnen, was es dort wirklich 'live und in Farbe'  in vielen wunderbar intensiven Farben zu sehen und zu erleben gab.

Wir waren eine kleine Gruppe zu 3 Personen, außer mir noch ein junger Brite, der von der Sprache her für mich kaum zu verstehen war, und eine ebenso junge Deutsche, die als Werkstudentin seit 2,5 Jahren in Australien lebt und den hiesigen Akzent absolut gut drauf hatte. So sprachen auch wir beide miteinander nur englisch – verrückt. Allmählich traue ich mich auch, mich einfach einzumischen und mit zu unterhalten; ich werde da auch sprachlich immer sicherer (muss nicht unbedingt heißen: besser...) und eigne mir vieles von der Sprache by doing an. Macht Spaß, und die Erfolgserlebnisse überwiegen die Misserfolgserlebnisse (dann fehlt einem einfach wieder der richtige Ausdruck und man stammelt) bei weitem. Der Tag war also einer von den ganz guten, zumal das Dinner in dem Shellstone-Restaurant („Old Pearler“) hinsichtlich der dargereichten Meeresfrüchte absolut nichts zu wünschen übrig ließ: Es war rundrum ein Genuss und damit der würdige Abschluss eines fantastischen Tages.

Samstag, 2. Mai 2009

Spuren der Vergangenheit


Eine Fahrt durch eine immer mehr dem Outback gleichende Landschaft ist schon eine besondere Sache. Mich fasziniert die Weite und scheinbare Eintönigkeit, die doch beim näheren Hinsehen voller Vielfalt insbesondere der Flora ist; die Fauna sehe ich natürlich beim Durchfahren weniger, abgesehen von den häufigen Emu-Gruppen, die auf den Parkplätzen nach Fressbarem suchen. Ich liebe diese karge und doch reiche Landschaft, sie schlägt mich wieder voll in ihren Bann. Wenn dann noch wie bei der Zufahrt zur Shark Bay ab und zu der Ozean blau dazwischen blinkt, dann ist das Glück fast vollkommen.

Es gab wirklich viel zu sehen. Die Stromatolithen der Hamelin Bay sind zwar als solche auch noch nicht so alt, erst nach der letzten Eiszeit vor ca. 6000 Jahren entstanden, aber die Lebensform, die sie repräsentieren, Cyanobakerien, gehören zu dem Ältesten, was wir überhaupt an Lebewesen kennen. Sie haben erst den Sauerstoff in der Atmosphäre geschaffen, der dann Grundlage allen weiteren Lebens wurde. Diese Lebensform nun immer noch aktiv am Werk zu sehen (siehe die Bläschen!), das macht schon ganz eigene Gefühle, als ob man der Schöpfung direkt im Rückblick zuschauen würde. So ging es mir auch bei den roten Felsschluchten des Murchison, die immerhin eine Zeit zeigen, in der es noch keine Lebewesen unserer Art auf Erden gab. Über solche Steine läuft man nun... Die Ausblicke auf die Shark Bay sind großartig. Monkey Mia kann man allerdings vergessen, das ist nur ein großes Resort, das von der Attraktion der morgendlichen Delfin-Fütterung lebt; ich habs gesehen, mehr muss ich nicht sehen; Bilder davon zeige ich keine, lohnt sich nicht.

Interessant ist die Region als Weltkulturerbe wegen ihres besonderen Artenreichtums. Man hat vor der Halbinsel, auf der Denham liegt, einen Elektrozaun gezogen (siehe Fotos), der nicht-lokale Tierarten fernhält; die wilden Katzen, Füchse und Kaninchen wurden vor Jahren beseitigt. Seitdem werden hier bevorzugt diejenigen Beuteltiere wieder angesiedelt, die in Australien heimisch, aber schon fast ausgestorben waren. „Projekt Eden“ heißt das Ganze sinniger Weise. Davon werde ich morgen bei dem Tagesausflug in den Francois Peron NP sicher mehr erfahren, gilt er doch hier als das besondere Kleinod dieser Gegend, der allen Reichtum der Flora und Fauna der Shark Bay enthält. Und die Muschelbänke sind auch sehenswert! Ich habe heute in einem der wenigen existierenden Häuser (Old Pearler restaurant) gebaut aus Muschelstein zu Abend gegessen. 

Thema Wasser: Die ältesten Settler bohrten im 19. Jahrhundert so tief, bis sie in knapp 500 Meter Tiefe auf Wasser stießen: artesische Brunnen lieferten nun das Tiefengrundwasser, das weite Teile des australischen Kontinents erfüllt. Dieses Reservoir ist natürlich endlich, das haben die Australier auch rasch erkannt. Darum gibt es immer mehr Projekte zur Wasser-Rückgewinnung, so wurde es in Kalbarri im Hotel erklärt (Trennung von Trink- und Brauchwasser), aber auch wie hier in Denham Entsalzungsanlagen, die das Trinkwasser aus dem Meer liefern. Dazu gibt es hier im Resort einen eigenen Handzettel, der das erklärt und dazu auffordert: „Please use our water wisely!“ Wasser wird als wichtige Ressource ins Bewusstsein gerückt, in dieser trockenen Region ganz besonders, in der man schon immer kostbares Regenwasser in Zisternen sammelte (so die „stations“, also die Farmer).  Daher lebe ich hier auch im Bewusstsein dieser riesigen Vergangenheit genau mitten in der Gegenwart und bin jetzt für eine Zeit lang Teil dieser ganz besonderen und einzigartigen Welt.

Freitag, 1. Mai 2009

Kalbarri Gorges


Heute also große die Canoe Tour. Ich warte auf den pick up. Nichts geschieht. Der Mann vom Hotel-Service, der zufällig vorbei kommt, kennt den operator = Veranstalter und ruft an: Nein, diese ganze Woche war keine solche Tour geplant. Da hätte das Visitor Center wohl Mist gebaut! Ich zum Visitor Center; natürlich hatte der tour operator Mist gebaut, so die Lady dort. Mein Hinweis, dass ich vor 2 Tagen sofort nach meiner Ankunft extra hier im Visitor Center war und nachgefragt hatte, ob mit der Tour alles ok sei und mir dies bestätigt wurde, ich sogar noch einen neuen Ausdruck mit allen Einzelheiten der Tour erhalten hätte, beantwortete sie ungnädig, ich habe die Tour wohl online gebucht und außerdem viel zu früh. Damit war klar, ich war Schuld... Eine andere Tour fände auch nicht mehr statt heute, denn dafür sei es um 9 Uhr viel zu spät. Ach, hätte ich nicht gedacht. Nun, irgendwann hat sie sich dann doch noch zu dem Zugeständnis bewegen lassen, dass ihr die „troubles“ leid täten. Wenigstens bekam ich mein Geld anstandslos zurück. Also umdisponieren und den „wilden“ Teil des Kalbarri Parks auf eigene Faust erkunden!

Das entpuppte sich dann als Glücksfall. Was ich in den nächsten Stunden nach rattenscharfer Fahrt auf der Sandpiste (Tags zuvor hatte ich mich noch nicht getraut, heute war mir das egal... 35 km eine Strecke sind doch ein Klacks! Tempo 70 ist sogar ideal, dann rüttelt es am wenigsten) an Aussichten und Kletterwegen gesehen und erkundet habe, hätte keine Tour besser zeigen können. Der Abstieg am Z-Bend an den Murchison hinunter war ein tolles Erlebnis, unten fand ich einen idyllischen und gewaltigen Ort. Außer dem Pärchen (die „Nixe“) habe ich dort weder rauf noch runter jemanden gesehen. Dafür war es am Loop recht voll, aber auch nur bis zum großen „nature's window“, dann wurde es steiler und felsiger, und kaum einer ging weiter. Leider war es von der Tageszeit her schon etwas spät, so dass ich mich den ganzen Weg des loops (8 km) nicht mehr getraut habe, weil ich unten in der Schlucht genau während der hohen, heißen Mittagszeit gewesen wäre. Aber die Wegstrecke über die cliffs war schon schön genug – und am Fluss war ich dann ja am Z - bend. Es war also ein wirklich gelungener Ausflug, und ich konnte mich dann am frühen Nachmittag sehr befriedigt unter Eukalyptus und Palmen im hiesigen Pool relaxen; was kann nach solchen Kletterpartien schöner sein?

Wenn es letztlich auch nicht schlimm war, dass die gebuchte Exkursion ausfiel, ich werde beim nächsten Visitor Center noch deutlicher nachfragen, ob der operator die tour wirklich durchführt! Man lernt – und improvisiert, geht doch! - Und dann wieder der wunderschöne Abend, dieses Licht, wenn die Sonne nur noch wenig über dem Horizont steht und alles von seiner schönsten Seite zeigt, angestrahlt von einem goldenen Licht, das das Grün noch grüner und das Blau des Wasser noch blauer werden lässt. Mir fiel heute bei der immer noch gewaltigen Brandung auf, dass die Welle an ihrem Kamm in dem Moment grünlich durchsichtig wird, ehe sie bricht – wenn denn die Sonne von hinten durch die Woge scheint. Sieht toll aus! Das wird auf den Brandungsfotos nicht so deutlich, weil ich da mehr auf die spritzende Gischt geachtet habe. Nach dem Dinner werde ich wieder den fantastischen Sternenhimmel bewundern können und natürlich das Kreuz des Südens finden! Tagsüber sieht man es ja auf den australischen Flaggen. Die Inbrunst, mit der US-Amerikaner ihre Flagge zeigen, findet man hier allerdings nicht; da ist Aussiland der britischen Zurückhaltung etwas näher, wer weiß? Ist gut so, und ich fühle mich sehr wohl hier.