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Donnerstag, 21. Mai 2009

Oasen der Frische


Donnerstag, 21.05.
Heute war mein letzter Tag in Westaustralien. Ich habe ihn ganz besonders genossen: Ganz früh morgens war ich noch bei den Zebedee Springs im El Questro Park, aber trotz der frühen Zeit (kurz nach 7 Uhr) waren die Quellbassins schon von ersten Badenden besetzt. Ich bin dann weitergefahren zur Emma Gorge und habe sie, nun richtig beschuht, bis zum Ende durchwandert, besser durchklettert, denn der Weg ist sehr steinig und felsig. Es war eine ganz andere Beleuchtung, und vieles erschien mir nun auf einmal neu und wunderschön. Eine kleine Dreiergruppe von Wanderern war mit mir zusammen aufgebrochen, aber viel langsamer unterwegs. So war ich nach gut einer Stunde Plackerei der erste am Pool am Ende der Gorge und konnte „einfach so“ (Badesachen hatte ich nämlich nicht mit) ins Wasser springen und mich vom Wasserfall berieseln lassen, herrlich. Man trocknet ja sehr schnell, so dass die anschließende Rast dort, bis die zweiten Menschen dann kamen, ein purer Genuss eigener Art waren.

In Kununrra habe ich wieder alles Gepäck in meinen roten Astra umgeladen, den Nissan Patrol zurückgegeben und eingekauft. Mein Weinvorrat ging zur Neige. Dann im Ivanhoe Caravan Park meine Cabin bezogen und ratzfatz ins Internet: erste Entzugserscheinungen machten sich da bei mir bemerkbar ;-) Darum habt ihr dann die Story samt Fotos aus El Questro auch lesen und sehen können. Schon früh um halb 4 nachmittags wurde ich dann abgeholt, um auf dem Ord River eine kleine Sunset Kreuzfahrt zu machen mit eingeschlossenem BBQ, Fotos kommen noch. Da wir wieder nur wenige waren, 12 Personen, war es eine sehr kommunikative, gemütliche und entspannte Sache – mit viel Fleisch und Salaten und sonstigen Schlemmereien. Der Abschluss in Kununurra war also absolut stilvoll, relaxed und dem Anlass angemessen!

Denn es stimmte mich schon etwas traurig, dass ich nun dieses schöne Land Westaustralien verlassen werde, das mich von Perth an mit so vielen Wundern und Erlebnissen beglückt hat. Es ist wirklich ein tolles Land und einer weiteren Reise unbedingt wert! Was habe ich alles gesehen, und was habe ich alles noch NICHT gesehen... :-) Morgen geht es dann nach Katherine am Stuart Hwy im Northern Territory. Da wird die Uhr 1,5 Stunden vorgestellt, also dann mit 7,5 Stunden Differenz zur MESZ. Das bringt dann auch den gesehenen und gefühlten Tageszeiten – Rhythmus wieder besser ins Lot: Dort geht die Sonne dann morgens um 7 auf und um 6 abends unter. Hier war das zuletzt mit halb 6 SA und halb 5 SU etwas sehr verschoben. Ich steuere mit einer Zwischenstation in Katherine mein letztes NP – Ziel an, den Litchfield Nationalpark 150 km südlich von Darwin. Das Ziel der großen Australienreise kommt immer rascher in Sicht.

Mittwoch, 20. Mai 2009

El Questro & more


Mittwoch, 20. 05.
Da ist einiges passiert in der Zwischenzeit. In dem Wilderness Park El Questro gibt es weder Internet noch TV noch Mobiltelefon – sehr vernünftig. Es gibt auch nur eine einzige öffentliche Telefonzelle, die war aber immer frei, man wollte gar nicht telefonieren. Denn hier zu sein, abgeschieden von der übrigen Welt, und doch mit allem, was nötig ist, bestens versorgt, inmitten einer unglaublich lieblichen und schönen Landschaft (ja, lieblich, und das in den Kimberley!), das allein genügt. Es ist wie in einem Paradies, wirklich. Die Bilder können nur schwer wiedergeben, wie hier die Landschaft insgesamt wirkt, zumal dann auch die Lichtverhältnisse in den Gorges mit Sonne und Schatten zum Fotografieren recht kompliziert sind. Die Dimensionen sind es allemal, so dass der Eindruck der wenigen Fotos hier wirklich sehr unzureichend bleibt. Hinzu kommt, dass man die Geräusche und Gerüche unbedingt hinzu nehmen muss, um einen sinnlichen Eindruck zu bekommen. Also kurzum: Es gibt Landschaften wie die Bungles, da können Fotos schon eine Menge zeigen. Und es gibt sinnliche Erfahrungen wie die hier im Park El Questro, wo die Bilder ziemlich kläglich versagen. Hier zu sein gehört auf jeden Fall zu den größten Highlights in ganz Westaustralien. Besonders dann, wenn man wieder alle Zähne im Mund und Reifen auf dem Auto hat. Aber damit greife ich vor...

Gestern war eine halbe Stunde lang Pech angesagt. Irgendwann musste es ja kommen; dass es dann so abgelaufen ist, wie es war, gehört schon wieder zu den glücklichen Ereignissen meiner Reise. Ich habe also gestern meinen 4WD in Kununurra übernommen, sehr gespannt, was ich nun mit diesem Auto würde anstellen können. Ich habe mich schnell dran gewöhnt und bin nach Wyndham gefahren, die normale asphaltierte Route, eine andere gibt es auch gar nicht. Es ist ziemlich ödes Nest am Ende des Great Northern Highways an der Timor Sea gelegen wie Darwin. Nun gut, es gehörte sich einfach für mich so, dann auch konsequent bis ans Ende dieser großen Straße zu fahren, die ich von Perth an immer wieder verfolgt habe. Danach wollte ich die für mich neuen Möglichkeiten des 4WD Nissan Patrol nutzen und die King River Road fahren, und möglicherweise sogar den Pentecost Drive als Abkürzung zur östlichen Gibbs River Road nutzen. Das war eine landschaftlich tolle kleine Straße am Krokodil reichen King River entlang. Krokos habe ich zwar nicht gesehen, dafür aber viele Lizards (kleine Echsen ähnlich den Waranen) und jede Menge mir unbekannter großer Vögel, Reiher ähnlich, schwarze Störche, Trappen (danke, Dennis!) usw. Plötzlich hatte ich beim intensiven und freudevollen Schauen und Kauen leider einen halben Goldzahn locker im Mund, das war weniger schön. Ich konnte ihn retten, ehe ich ihn beinahe verschluckt hätte... Blöde Sache.

Die Abkürzung zur Gibb River Road und damit nach El Questro erwies sich als ein recht anspruchsvoller Track, den ich mir alleine und ohne 4WD - Erfahrung nicht zutraute, schon beim Ansehen nicht, und daher beschloss ich, denselben Weg 60 km wieder zurück auf den Hwy zu fahren und dann ganz normal die 80 km u. a. über die Gibbs River Road (die ist komplett nicht asphaltiert, wird aber auch von Road Trains (!) benutzt) nach El Questro zu fahren, alles ganz nah und easy. Gerade als ich recht stolz auf mich war, wie vernünftig oder (feige?) ich eben bei meiner Entscheidung zurück zu fahren gewesen war, ereilte mich das Missgeschick: Mitten im Nirgendwo auf einer kleinen Outback - Straße gab das Auto komische Geräusche von sich, stank dann fürchterlich nach Gummi und begann zu schlingern. Ich stoppte dann sofort und ahnte – und sah das Malheur: Der rechte hintere Reifen war total zerfetzt und stand nur noch auf der Felge. Eine Erfahrung der anderen Art: Neben mir nicht weit der Fluss mit den möglicherweise gefährlichen Krokodilen, vor mir und hinter mir nur Staubstraße, neben mir ein kaputtes Auto – wow! Zum Glück war die Straße an dieser Stelle eben und einigermaßen breit, so dass ich gefahrlos mit dem Reifenwechsel beginnen konnte. Oh boy, wann habe ich das zuletzt gemacht... Mir war als erstes klar: Bleib cool Junge, du hast genug Wasser dabei, und entferne dich keinesfalls vom Auto. Dann gings los mit der Suche nach den Werkzeugen, Wagenheber, Ansatzpunkt, na ja, ich sage euch, man sollte das öfter mal üben. Jedenfalls habe ich mich gar nicht so total dumm angestellt, denn eigentlich wäre ich fast zum Ziel gekommen, wenn da nicht diese eine doofe Schraube gewesen wäre, die ich partout nicht los kriegte! Ich habe mir dabei die Haut der rechten Hand zerfetzt. Nichts zu machen, sie lockerte sich nicht. Der Wagenheber schien immerhin zu funktionieren, aber ich kam halt dennoch nicht weiter. Also auf Hilfe warten – au Mann, wird einem da die Zeit lang, zumal in der frühen Nachmittagsglut mitten im Nirgendwo. Nach einer halben Stunde (kam mir vor wie eine kleine Ewigkeit), hörte ich Motorengeräusche, und ein Auto kam, damit nahte die Rettung. Der freundliche Australier war zum Angeln im Kings River unterwegs und hatte natürlich richtiges Werkzeuge dabei. Das Lösen der letzten Schraube und der Reifenwechsel gingen jetzt im Nu, obwohl wir noch die Hilfe seines zweiten Wagenhebers benötigten, um das Auto hoch genug zu kriegen. Der Reifen war dann schnell gewechselt – und ich total erleichtert. Wir haben uns dann noch ein Weilchen unterhalten, klar, jeder macht einmal solche Erfahrungen, und danach schafft man sich richtiges Werkzeug an und achtet ganz besonders auf den Reservereifen...

Ich bin dann auf dem normalen, weiteren Weg nach El Questro gefahren, mulmig wurde mir nur auf der Gibbs River Naturstraße, weil ich ja nun keinen Reservereifen mehr hatte, nur noch dieses zerfetzte Dingen, das da an meiner Hecktür hing. Aber was soll ich sagen: Dieser Nachmittag und Abend in El Questro gestaltete sich noch besonders nett und gemütlich, weil ich dort wieder die kleine Reisegruppe von „Peter“ traf, der mit seinen Wienern unterwegs war. Wir hatten natürlich viel zu erzählen und haben dann abends nett zusammen gesessen und gegessen – das Restaurant in El Questro Township ist super – und den einen oder anderen Wein miteinander getrunken. Es war der glorreiche Abend eines recht aufregenden Tages... Ich war übrigens im Resort recht schnell das Tagesgespräch: „der mit dem zerfetzten Reifen kam“ … Ich habe meine Geschichte gleich mehrfach erzählen müssen. Wisst ihr, es war bei den Fragern und Zuhörern der Effekt wie im Gruselkino: Es gruselt so schön, wenn und weil es MICH NICHT betrifft … :-) Sogar heute noch, eine Tag später, fragte mich die Oberin im Restaurant, ob denn nun mein heutiger Tag auch gut gewesen wäre; ja, sie habe von dem „tyre damage“ gehört, ob ich denn trotzdem den Aufenthalt hier genießen würde? Wow – so wird man zur Berühmtheit für einen Tag...

Ich bin heute Morgen nach Kununurra zurück gefahren, war schon um 8 Uhr bei dem Service von HERTZ, also bei Sandy. „Take it easy“, sagte sie, so etwas passiert halt. Ich sollte gleich einen neuen Reifen bekommen, und dann zeigte sie mir endlich auch, wo im Auto das „richtige“ Werkzeug versteckt war. Tausendmal „sorry“ natürlich. Zum Glück würde ich bloß ca. 20 % des neuen Reifens bezahlen müssen, da der kaputte ja schon alt gewesen wäre. Aber das gleich vorweg: Das hat mit dem Plattfuß nichts zu tun. Ich hatte am Abend vorher natürlich noch viel Fachsimpeleien und erfuhr, dass insbesondere die Hinterreifen auf Schotterstraßen durch den Steinschlag der Vorderreifen (!) bedroht sind: jeder Stein ein Geschoss sozusagen. Dann passiert das eben. Es kann einem dreimal in einem Monat passieren, auch bei ganz neuen Reifen, und es kann 5 Jahre gut gehen. Nur – irgendwann passiert es wieder. Shit happens. Darum ist zumindest gutes Werkzeug und am besten 2 Reservereifen angesagt.

Das habe ich mir von Sandy dann auch besorgt. Dann war ich, während der Reifen montiert wurde, noch bei der Dentistin und habe mir das Goldinlay wieder einsetzen lassen, habe getankt und eingekauft - und war nach zweieinhalb Stunden wieder auf dem Weg zurück von Kununurra nach El Questro mit neuem Reifen. Die Zahnbehandlung war übrigens prompt, gründlich und spitze, auch eine neue und gute Erfahrung. Nach knapp 20 Stunden war also wieder aller Schaden behoben! Uff, wie gut!

Es war mir schon klar: Irgendwann musste etwas passieren, irgend etwas, man kann nicht immer nur Glück haben. Letztlich aber habe ich in all dem Missgeschick, das mir passiert ist, doch wieder mehr Glück als Verstand gehabt. Jedenfalls bin ich heute sehr fröhlich die rauhen 4WD-Tracks zu den Gorges gefahren, die ich mich gestern noch nicht getraut hätte. Man lernt halt immer dazu. Eine tolle Gegend, wichtige Erfahrungen, die ja auch irgendwie zu diesem Land hier gehören, und bewältigte Schwierigkeiten, da bin ich doch am Ende sehr glücklich und zufrieden.

Schaut euch die Fotos an und freut euch daran. Denn ich habe heute die Wanderungen in den Gorges genossen; eine selten schöne tropische Landschaft der Kimberley voller Wasser mitten im Trockenland! Und nun geht’s dann wieder zurück nach Kununurra, tja, das kenne ich ja inzwischen recht gut; eine freundliche kleine Stadt, die sich mir von der besten Seite gezeigt hat! Donnerstag Abend ist BBQ Dinner auf dem Ord River angesagt.

Das war doch mal eine richtige story... no worry!

Montag, 18. Mai 2009

Bungle Bungle !


Montag, 18.05.
Die Bungles. Purnululu. Ich dachte, - ihr dachtet, es gäbe keine Steigerung mehr. Es gibt. Seht selbst. Und auch dieses Mal geben die Bilder nicht annähernd wider, was ich dort wirklich gesehen und erlebt habe.

Zu den nüchternen Fakten: Ich wurde morgens mit einer „flight only“ - Tour in die Bungles eingeflogen, stieg dann dort auf dem Bungles Airstrip als einziger aus und bekam einen Guide, eine taffe Frau. Ich blieb der einzige Teilnehmer auf der nun folgenden Tour „on the ground“ in den Bungles! Meist wird dort eine Übernachtung im Camp gebucht; diesmal war ich es alleine, der bloß eine day tour gebucht hatte – und hatte mit Karen riesiges Glück: ein toller Guide! Wir sind viel in den Gorges gewandert, sie hat sehr viel erklärt, gezeigt, erzählt, und das, was es zu sehen gab, war / ist wirklich einzigartig. Tatsächlich: Alleine die Bungles lohnen das Herkommen nach Kununurra. Was die geologischen Besonderheiten sind, könnt ihr selber bei Wikipedia nachlesen. Was man nicht lesen kann, ist das Gefühl der Erhabenheit und Ehrfurcht, dass einen bei diesen eigenartig geformten Felsen und Schluchten, bei all den Formen und Türmen überwältigt. In der riesigen Cathedral (hier versagen die Bilder völlig, die Spiegelungen sind allenfalls der Wirklichkeit entsprechend) beschleicht einen ein besonderes Gefühl; es war eine Gruppe dort, und dennoch war es mucksmäuschen still, was tour groups sonst nicht gerade auszeichnet: stille zu sein! Auch die Perspektive von oben aus dem Flugzeug war überwältigend, wenn auch nicht annähernd so, wie das Erleben dort unten zwischen den Felstürmen mit all den Gerüchen und Vogellauten in der sehr warmen Sonne. Die Billabongs (kleine Gewässerreste aus der „wet season“) schufen eine Atmosphäre der Kühle und Erfrischung, allein schon des leisen, kühlen Luftzuges wegen, der über das Wasser hauchte. Es lohnte sich sehr, hierher wieder zu kommen, so wie ein älterer australischer Wanderer es uns erzählte, der seit 27 Jahren immer wieder hierher in die Bungles kommen „muss“.

Es gibt von Natur aus ganz besondere Orte („heilig“); die Bungles gehören bestimmt dazu. Man spürt es. Die Natur kann wirklich überwältigend sein an Schönheit, Erhabenheit, Einfachheit. Mit und ohne uns ist das hier seit über 20 Millionen Jahren so. Bilden wir uns also bloß nicht zu viel ein. - Karen war eine einfühlsame Begleiterin. Der Sunset noch aus dem Flugzeug war das I-Tüpfelchen auf diesen einzigartigen Tag.

Sonntag, 17. Mai 2009

Weit bis Kununurra


Sonntag, 17.05.
Die Fahrt durch die Kimberley von Fitzroy Crossing nach Kununurra war großartig. Eigentlich gab es ja nichts Besonderes zu sehen, nur Landschaft. Aber die hatte es eben sich. Ich bin voller Staunen und Schauen und Genießen durch diese wunderbare ursprüngliche tropische Landschaft gefahren. Es wachsen hier etwas andere Eukalyptusarten, dann die verschiedenen Boab Trees, mal kahl, mal alt, mal frisch begrünt, und alle möglichen anderen Sträucher, deren Namen ich nicht kenne. Viele Raubvögel waren in der Luft, besonders am Vormittag. Dazwischen immer wieder weite Flächen mit hohem Gras und vielen dunkelbraunen Termitenhügeln, auch dicht neben der Straße, von denen sich dann einige plötzlich bewegten – o Schreck, auf die Fahrbahn zu, und das sind dann dunkelbraune Rinder... Viele viele weiden hier, ein fruchtbares Land mit viel Wasser, zu viel oft in der „wet season“ (=Sommer), so dass die Flüsse und Bäche gewaltig anschwellen und ganze Landstriche unter Wasser stehen. Dieses Stück des Great Northern Highways ist auch noch nicht durchgängig hochwasserfest, aber man baut gewaltig daran. Es müssen dafür gewiss sehr hohe Kosten aufgewendet werden, gilt es doch, zig kilometerlange Abschnitte auf Dämme höher zu legen, von den langen Brücken ganz zu schweigen. Dann folgen wieder recht gebirgige Strecken mit vielen Windungen und Steigungen der Straße. Mich wundert nicht, dass die gesamte Strecke Perth – Darwin noch gar nicht so lange erst durchweg asphaltiert ist: wegen dieses Abschnittes! Das weite Land und die sehr dünne Besiedlung in den Kimberley haben eben einen ganz besonderen Preis für Australien und seine Bundesregierung in Canberra.

Aber schön ist das Land! Ich habe diese lange Fahrt wirklich genossen, mit allen Zügen, die man so beim Durchfahren (und viel etwas anderes kann man hier auch gar nicht machen: es gibt einfach nichts außer ein paar aboriginal communties) machen kann. Ach ja, ihr werdet es kaum glauben: Hier, irgendwo mitten zwischen Nirgendwo und Nirgendwo gab es eine Polizeikontrolle: Geschwindigkeitsüberschreitung wurde geahndet und ins Röhrchen musste man pusten! Bei mir war alles ok, aber der vor mir musste zahlen, den hatte das Radar erfasst. Gut dass ich wegen des Fotografierens während des Fahrens oft sogar langsamer als möglich (max 110 km/h) fahre. Aber diese Kontrolle war wirklich völlig überraschend! Dafür ist die australische Polizei aber besonders auf den weiten Strecken berühmt, wie ich hörte...

Kununurra ist ein regionales Zentrum mit aller Art von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen, Schulen, Kliniken etc. , sieht sehr ordentlich und modern aus. Erstaunlich, was hier so weit abseits alles geboten wird. Der Caravan Park ist spitze, der Pool prima, die Cabin bestens ausgestattet. Und zum Glück: Die Australier essen gerne und gut. Jedenfalls habe ich bisher fast in jedem Ort ein gutes bis sehr gutes Restaurant zum Dinner gefunden. Da fährt man nun hunderte, tausende Kilometer durch den wilden Busch – und findet dann in Kununurra im Country Club ein äußerst gepflegtes Restaurant mit sehr guter Küche und besten Manieren vor. Die freundliche Bedienung kam übrigens aus Belgien und hatte einen Australier geheiratet, dessen Wurzeln in Deutschland und Holland liegen. Eine typische Einwanderungslegende! Bester Service kam hinzu, denn ich wurde nach dem Dinner problemlos mit deren Minibus zurück in den am Ortsrand liegenden Ivanhoe Caravan Park gefahren. Diese „Inseln der Zivilisation“ sind für mich immer wieder erstaunlich, aber eben auch typisch austro-britisch, bis hin zum Radioempfang von ABC (dem australischen Gegenstück zur BBC), der nur im jeweiligen Ortsumkreis zu hören ist (steht extra mit Schild an der Straße), und zum alles gleichzeitig machenden Internet. - Eine völlig fremde Welt, nicht einmal, so scheint mir, eine parallele, ist die Welt der öffentlich sichtbaren Aboriginals, offenbar eine völlig verlorene Menschengruppe. Das ist eine der erschreckendsten Eindrücke dieser Fahrt durch die Kimberley. Ich könnte dazu noch eine Menge schildern und schreiben und erklären. Ich lasse es hier und heute – für ein andermal und an einem anderen Ort.

Morgen geht es per „air & ground“ in die berühmten Bungel Bungles, deretwegen manche Leute überhaupt hierher kommen. Ich bin sehr gespannt, und meine Erwartungen sind recht hoch nach allem, was ich bisher schon gesehen habe!

Samstag, 16. Mai 2009

Grüße aus dem Devon


Mitten im Outback (und Fitzroy Crossing ist outback, ziemlich tiefes sogar) und schnelles Internet – ich liebe Australien!! Es gab noch einiges zu sehen, nicht nur die vielen für die Kimberley typischen „Flaschenbäume“, besser Boab Trees, die es so ähnlich auch in Afrika gibt, und nicht nur eine lange, lange Straße durch eine wirklich der Savanne ähnelnde Landschaft („savannah way“ heißt darum die Route von Broome über Darwin bis nach Cairns), sondern auch die Riff-Felsen in der Geiki Gorge, einem zu Kalkstein (“limestone“) gewordenen alten Meeresriff aus dem Devon, also von vor 280 - 350 Millionen Jahren. Darum heißt der größere Nationalpark hier, dessen kleinere Teil ich gesehen habe, auch Devonian NP.

Outback heißt auch: Fitzroy Crossing ist offensichtlich schwarz. Aber die Ranger im nahen Nationalpark, in dem man mit dem Boot den Fitzroy River befahren konnte (siehe Fotos), das Personal hier in der Lodge, die Verkäufer im Tankstellen-Shop, im Visitor Centre, alle weiß. Die Zimmermädchen sind wie fast überall hier Chinesinnen. Reichlich viele Austro-Schwarze habe ich nur im Old Crossing Inn gesehen, einer „historical site“; aber da war ja auch eine „tavern“. Klar dass mir diese Wahrnehmung zu denken gibt.

Morgen geht es weiter nach Kununurra: 650 km Outback liegen platt und schnurgerade vor mir... :-)

Freitag, 15. Mai 2009

Kimberley hoch zwei

Das heute war ein Wahnsinns Erlebnis. Ich hatte einen Flug mit Bootsfahrt zu den „Horizontal Waterfalls“ in den Kimberley gebucht. Es ging früh um 6 mit Sonnenaufgang vom Airport Broome in die Luft (pick up im Resort um 5:30, Wecker um 4:45...) mit knapp 90 minütigem Flug in die Küstenregion nördlich des King Sound, zur Talbot Bay. Dort gibt es zwei Meeresarme / Fjorde, die nur durch schmale Felsengen mit der größeren Meeresbucht verbunden sind. Die eine Enge ist ca. 40 breit, die zweite, hintere bloß 15 m. Der Tidenhub beträgt normal zwischen 8 und 10 m; das viele Wasser strömt also viermal am Tag durch diese engen Felsenspalten hinein und heraus. Da das nicht so schnell geht, ergibt sich mit dem starken Sog des Hubs ein sog. horizontaler Wasserfall, „horizontal waterfall“, ein Naturschauspiel, dass es meines Wissens nur hier in Westaustralien zu erleben gibt, und das in der ohnehin schon einmaligen Wildnis der Kimberley.


Alles war perfekt organisiert. Das Flugboot landete in der äußeren Bay, wir stiegen ins Jetstream-Boot um, und dann ging die Post ab: auf die Felsspalten zu, und wasseraufwärts hindurch! Die zweite Spalte war so eng, dass die Durchfahrt erst etwas später bei nachlassendem Druck möglich war. Grandios! Dazwischen wurde auf einem weiteren Boot Frühstück serviert, während wir die inneren Buchten entlang fuhren und die einmalige Bergwelt dieser Küstenregion bestaunen konnten: Faltengebirge in Australien, das war für mich etwas ganz Neues; die Faltungen sind auch fast halb so alt wie die Erde insgesamt, nämlich ca. 2 Mrd. Jahre, als der australische Kontinent noch mit dem indischen Kontinent (damals noch nicht Subkontinent!) kollidierte. Außerdem gab es eine faszinierende Tierwelt gratis: Delfine, Haie, große Salzwasserkrokodile, alle in freier Wildbahn, die „stinger“ und „box jellies“ gar nicht mit gerechnet, also eine Meeresregion, wo man besser nicht baden sollte. Überhaupt sind die Kimberley zwar von einer atemberaubenden Schönheit, aber nicht ganz ungefährlich. Dass sie der Mensch (außer den Aboriginals) bisher gemieden hat, ist also nicht ganz zufällig. Unsere Tour wurde samt allem Support ausschließlich über Luft oder Wasser ohne jeden Landkontakt durchgeführt. Es gibt inzwischen recht exklusive kleine Kreuzfahrten über eine Woche in diese Region hinein. Auch dafür dienen die von uns besuchten Ponton - Stationen als Basis.

Danach flogen wir über das Buccaneer Archipel und dann immer der Kimberley - Küste entlang bis zum Cape Leveque, einem gerade noch mit dem Auto erreichbaren Ort (auch Wikipedia wird geradezu dürftig...). Der Rest ist Wildnis, eine der letzten „frontiers“, die es auf der Welt gibt. Außer mit Schiff oder Flugzeug kommt man dort in den hohen Kimberley nirgendwo hin. Weiter ging dann der Flug der Küste entlang wieder auf Broome zu, wo wir den Cable Beach nun einmal von oben zu sehen bekamen. Es war insgesamt alles ein unbeschreiblich schönes und einmaliges Erlebnis; die reichlichen Fotos (auf Vorschaubild klicken oder direkt in meinem Picasa Webalbum) geben davon einen Eindruck wieder. In all den Highlights noch ein weiteres absolutes Highlight. Ich bin sehr froh, diese nicht ganz billige Tour gemacht zu haben. Wie es mir dabei geht? Irgendwie sonderlich. Mir ist bewusst, dass ich etwas ganz Außerordentliches erlebe, und doch geht es vonstatten wie sonst etwas ganz Normales. So ist auch mein Gefühl dabei: Ganz cool und relaxed (Westaustralia like), und doch unglaublich erfüllt und angespannt angesichts all dieser ungeahnten neuen Erlebnisse und Erfahrungen. - Nach der Rückkehr mittags bin ich aufs Bett gefallen und habe eine Stunde geschlafen, vielleicht eine ganz natürliche Schutzreaktion für Körper und Seele.

Morgen geht es nun weiter Richtung Osten nach Fitzroy Crossing am Fluss selben Namens. Mal sehen, ob er nach dem Ende der “wet season“ noch Wasser führt. Sonntag fahre ich dann eine längere Strecke nordöstlich bis nach Kununurra. Dort gibt es dann mit den Bungle Bungles und dem 4WD-Ausflug zur El Questro Station wieder einiges Neue von den Kimberley zu sehen. Ob es dort allerdings brauchbares Internet gibt, wage ich zu bezweifeln; das wird wohl erst wieder in Darwin gut sein, also nicht wundern, wenn es in den nächsten Tagen im Blog und Webalbum etwas ruhiger wird. Schaut euch einfach die bisherigen Fotos noch einmal an! Ich selber kann die Fülle der Erlebnisse ja kaum begreifen... Heute Abend habe ich noch einmal ein ausgezeichnetes Dinner hier im Resort gehabt, mit allem Drum und Dran. Das Auto ist durchgecheckt und vollgetankt, morgen früh geht es dann auf den letzten Teil der langen Fahrt durch Australiens Westen.

Donnerstag, 14. Mai 2009

beaches - corcodiles - sunset


Eigentlich gibt es nicht viel zu erzählen; es war ein wunderschöner Pausentag, echt zum Entspannen, am Strand lang wandern, ein wenig shoppen gehen, Auszeit haben. Was ich dabei gesehen habe, zeigen die Webalben - einfach auf die Bilder hier klicken!

Sogar Kamele und Krokodile waren dabei, aber nur im Crocodile Park, ist mir auch lieber... Und dann am Cable Beach - allmählich sollte jeder durch Wikipedia wissen, warum der so heißt - noch ein wunderschöner Sonnenuntergang, seht selbst und freut euch mit an den Bildern.

Mittwoch, 13. Mai 2009

Broome und mehr



Broome ist ein nettes Städtchen, ein bisschen sehr weitläufig vielleicht; man braucht das Auto oder eben den Bus (verkehrt nur tagsüber). Noch ist es hier sehr ruhig, denn die Hochsaison (=Winter) beginnt erst richtig im Juni. Dann fallen die sonnen- und wärmehungrigen Melbourner und andere aus dem Südosten hier richtig ein: Südaustralier-Grill in Abwandlung des „Teutonengrills“ in Rimini. Besonders Senioren zieht es hierher, derzeit sind hier im Resort und im Straßenbild fast nur ältere Leute zu sehen. Das soll noch erheblich zunehmen, ähnlich wie auf Mallorca oder in Florida. Nur, hier ist alles eben viel, viel kleiner und kompakter. Broome hat man in einem Tag „durch“; an die unglaublichen Schönheiten der Küste gewöhnt man sich fast zu schnell, siehe Bilder. Der Rest ist Sonne, Sand und Strand satt. Noch haben nicht alle Restaurants auf, aber es gibt genug. Der Airport liegt mitten in der Stadt, da hört man dann die Sonnenanbeter-Jets landen; so viele sind es aber noch nicht. Es ist hier wie überall in Westaustralien, sehr relaxed („no worry“), vielleicht doch noch etwas mehr, tropisch halt. Also kein besonderer Ort zum Sightseeing (von den Perlengeschäften einmal abgesehen, was die zu bieten haben, ist schon kolossal), sondern zum – na klar – entspannt genießen: „sit down, lean back, relax“! - No worry!

Ein Thema möchte ich ansprechen, dass etwas heikel ist, weil öffentlich sehr stark von 'political correctness' geprägt. Ich schreibe darum nur das, was ich selber beobachtet habe, und zwar alles. Es geht um die aboriginal people. Normalerweise sieht man sie in der Nähe von Bottleshops herumlungern, abgerissene Gestalten, ziemlich unterste Etage. Wenn nicht dort, dann findet man Gruppen in den städtischen Parks unter Bäumen im Schatten, meist mehr als 10 Personen, um sich herum Plastiktüten, leere Bier- und Coladosen und Flaschen, in denen Alkohol war. Der Umkreis von 10 m sieht wie eine Müllwiese aus, sogar wie hier in Broome direkt neben dem Visitor Center. Man schaut offenbar offiziell drüber weg. Arbeitende Aboriginals habe ich bisher nur zweimal gesehen, und es waren auch genau 2 Personen: eine junge freundliche Beraterin im Visitor Center in Carnarvon und ebenso dort ein ordentlicher Mann, der für Woolworth im Firmendress die Einkaufswagen zusammen schob. Mehr arbeitende habe ich nicht gesehen, auf der ganzen Fahrt nicht. In Pt. Hedland sind mir in einem Schellimbiss zumindest recht ordentlich aussehende Aboriginals begegnet, sehr dick zwar, aber recht „normal“ aussehend. Der Rest, den man zu sehen bekommt, ist meist Abschaum. Ich verwende das Wort bewusst, denn es ist vom optischen Eindruck genau so. Das ist also die Wirklichkeit der „aboriginal culture“. Was immer gewesen ist – die Aboriginals haben ihre Zeit gehabt und leben jetzt in einer für sie verkehrten Welt. Au sorry, das war schon meine Interpretation. Anyway – die Realität der aboriginal people ist alles andere als auch nur im geringsten ansehnlich oder schön. Was der Tourist in „aboriginal shows“ zu sehen bekommt (auch die gibt es hier), sind wirklich einstudierte shows. Sie lassen sich gut verkaufen, haben aber mit der Lebenswirklichkeit der ehemaligen Urbevölkerung kaum etwas zu tun. Die Legende von der „träumenden Schlange“ gefällt eben den Weißen, und ich vermute mal: Weiße verdienen daran am besten. Die Wirklichkeit der Aboriginals, die man zu sehen kriegt, ist die eines verlorenen Restes. Nicht einmal der Vergleich mit den Afroamerikanern passt hier. Denn in Australien kommt in dieser Hinsicht alles zu spät. Es ist hart, aber wahr. Die Digeridoos stammen halt meist aus China. That's life. Das ist zumindest das, was ich gesehen und irgendwie eingeordnet habe. Zu irgendeiner Glorifizierung des „einfachen natürlichen Lebens“ der Aboriginals gibt es null Anlass.

Nicht korrekt, aber wahr.

Dienstag, 12. Mai 2009

Wahnsinns Weite


Montag, 11.05.
Ich bin in der Pilbara, im „Rio Tinto“ und „BhP Billiton“ - Land. Der nationale Great Northern Hwy zwischen Newman und Pt. Hedland scheint mehr eine Privatstraße dieser beiden großen Bergbau- und Mineralfirmen zu sein. Ich schätze, dass 80 – 90 % der Fahrzeuge, die ich heute sah, zu einer der beiden Firmen gehörte. In Pt. Hedland ist das eher noch stärker der Fall: Privatautos sieht man nur nach Feierabend. Die Firmenfahrzeuge (PKW; LKW sowieso) haben ihre eigenen großen Nummernschilder (Abkürzung der Mine und Ziffern) zusätzlich zu den kleinen staatlichen Plaketten, und eine eigene leuchtend gelbe Markierung. In Pt. Hedland scheint es fast nur Angestellte dieser riesigen Firmen zu geben. Sie tragen eine eigene Kleidung, besondere Shirts und Hosen: leuchtend gelb mit reflektierenden Streifen die Vorarbeiter und Ingenieure, denke ich (einige wenige tragen einen aufgedruckten Namen auf der linken Brust, wohl die mittleren „Bosse“), orange und entschieden dreckiger, aber auch mit reflektierenden Sicherheitsstreifen, die Handarbeiter. Hier im Hotel sind 80% Gäste von einer der beiden Firmen, wie ich an den Dienstfahrzeugen und an der Uniform erkenne, as meiste wohl Ingenieure. Abends zum Essen kommen sie aber leger in Zivil. Solch ein Mittelklasse-Motel wie dieses lebt von diesen Firmen und ihren Zulieferern, - ich denke, ganz Pt. Hedland und die Region Pilbara lebt mit dem Wohlergehen dieser Multis. Derzeit sind Rohstoffe und Erze ja sehr begehrt; China wollte Anfang des Jahres PHB Billiton aufkaufen = die Mehrheit der Aktien erwerben, was der australische Staat aber verhindert hat. Noch schlummern in den Bergen der Hamersley Range Millionen Tonnen des Erzes, das hier zu recht „rotes Gold“ genannt wird. In Pt. Hedland pulst das Hafenleben dieser Minen, und hier wird gutes Geld und schnelles Geld gemacht – und auch leicht wieder ausgegeben. Ich habe beobachtet, dass als Bier besonders das mexikanische „Corona“ beliebt ist – und teuer. Es wird hier 1/3 literweise aus Flaschen konsumiert, und zwar gerne. Ruhig wird es hier im „All Seasons“ dennoch bleiben, denn es wird zwar früh dunkel (Sonnenuntergang jetzt 5.40 pm, Aufgang 6.30 am), aber weil es früh hell wird, geht es auch früh wieder los: Hier im Motel ist Frühstück ab 6.30 am angesagt.

In Pt.Hedland ist es wieder richtig schön warm, 32° waren es heute Mittag. Jetzt abends sind es bestimmt noch gut 24°, also sehr angenehm, zumal beim Dinner draußen auf der Terrasse am Indischen Ozean. In Tom Price war es mir letzte Nacht einfach (ungeheizt) zu kalt: Bei 8° in der Nacht habe ich mir im Bett der leicht gebauten Cabin einen Pullover angezogen. Jetzt ist es also wieder „lecker warm“, und das soll auch künftig (Broome!) so bleiben. Ich sah heute übrigens mit Bewusstsein zum ersten Mal wieder ein hoch fliegendes Flugzeug mit Kondensstreifen; mir fiel auf, dass Westaustralien so abseits der Fluglinien (wörtlich!) liegt, dass man keine großen Flugzeuge sieht oder hört. Die Verbindungen laufen halt von Punkt zu Punkt, also zu den Großstädten im Osten; seit Perth sieht und hört man nichts – bis heute. Ich habe überlegt: Von der Richtung des Flugzeuges her könnte es die Linie von Dubai nach Sydney sein...

Noch eine kleine Beobachtung sprachlicher Art. Ich habe mir nun auch angewöhnt, korrekt und umfassend zu grüßen. Bei Jüngeren heißt es zwar häufig gegenseitig nur „Hi“, aber ebenso oft auch mit dem folgenden „how are you (going)“? Dies ist nicht, wie ich anfangs dachte, eine bloße Floskel, sondern eine Redensart, die höflicherweise beantwortet werden will: „How are you?“ - „Good.“ oder „Not too bad.“ oder „Very well.“ - Daraufhin hat die Gegenfrage zu erfolgen: „And how are YOU?“ Man bekommt garantiert eine vollständige Antwort, auch wenn man sich schon wieder 3 m entfernt hat! NICHT zu antworten gilt offenbar als sehr unhöflich. Wenn man irgendwo zusammen steht und nicht nur aneinander vorbei geht, zum Beispiel an einem Aussichtspunkt im Nationalpark, dann ergibt sich daraus sehr schnell ein weiteres Gespräch, „small talk“. Eine sehr nette und wohl noch recht britische Eigenheit. Es ist auch gegenüber Personal, das einen bedient, eben genau so üblich; man fragt zuerst, wie es einem geht, und dann erfolgt auch die Gegenfrage – und schon ist man im Gespräch. Nicht schlecht („not too bad“), diese Weise der gesellschaftlichen Kommunikation, die auch und sogar im Canyon eines NP's gilt...

Weitere Beobachtung: Bekannt war mir aus den USA die Redensart „you are welcome“, was nichts weiter als „gern geschehen“ bedeutet, also nichts mit „du bist willkommen“ oder so zu tun hat. Hier in Australien, vielleicht nur im Westen Australiens (ich werde mal in Sydney darauf achten), ist der beliebteste Ausdruck „no worry“, was meist auch nur „gern geschehen“ heißt, aber auch in vielen anderen Situationen anwendbar ist und dann so viel wie „kein Problem“, „klar doch“ (amerikanisch „sure“) bedeutet. „No worry, be happy“, das könnte das westaustralische Lebensgefühl durchaus abbilden. Jedenfalls ist „no worry“ die häufigste Antwort, die man hier in allen möglichen Situationen zu hören bekommt: zustimmend, beruhigend, bestätigend, klärend, indifferent, nett, - halt „no worry“! Ich frage mich manchmal, ob die ursprüngliche Bedeutung in der Redeweise 'to worry about sth.' hier überhaupt noch anwendbar ist... „O sorry!“ - „No worry!“

Übrigens: Auf meinem Nachttisch liegt die letzte Ausgabe der „Australia's Mining Monthly“ … :-)




Dienstag, 12.05.
Das Frühstück war früh: Der arbeitende Teil der Motelgäste (= die meisten) waren um 6.30 beim breakfast versammelt. Es sind ruhige und freundliche Typen, die bestimmt einen harten Job haben. Auch bei ihnen steht übrigens „Muesli“ hoch im Kurs... Die TV-Morgensendung lief, eine irgendwie nette Atmosphäre; jedenfalls habe ich mich in diesem Kreis wohl gefühlt und ein paar Worte gewechselt.

Dann gings auf die längere Strecke nach Broome, 620 km, also mit Pause 7 Stunden. Wer übrigens einen fable für „roadtrains“ hat, kommt bei Pt.Hedland morgens voll auf seine Kosten. Da starten dann diese Schwerlastzüge, meist mit Öl bzw. Benzin oder mit Erzen aus den Minen beladen, voll oder noch leer, das merkt man daran wie sie „beschleunigen“. Hier im Norden haben sie in der Regel drei lange Hänger hinter dem Zug-LKW, reizen also ihre erlaubten 35 m (!) Länge voll aus. Zum Überholen braucht man dafür schon etwas Anlauf und freie Strecke!

Aber die gibt es nach Broome hin ja genug. Die Minen hören auch nach ca. 80 km auf, danach ist Ruhe auf der Piste. Es wird etwas eintönig, wenn auch viel weniger langweilig, als ich dachte. Irgendetwas ändert sich eben doch immer – bis auf die letzten 300 km, da änderte sich eigentlich nichts: endloser Busch! Aber wenigstens grün war es, bis auf die Abschnitte, in denen gerade Buschfeuer (normale Sache) brannten oder gebrannt hatten. Immerhin gab es auf den 600 km keine weitere Ortschaft, nur noch 2 Roadhäuser, die sich aber auf die ersten 300 km verteilten, und sonst außer Kängurus nichts. Bei dem Durchfahren dieses weiten Kontinents fällt mir vor allem der weite Himmel auf. Es ist ähnlich wie auf dem Meer, oder manchmal beim Fliegen. Heute war der schier endlose Himmel (erst recht nachts!) etwas bewölkt, nur leichte hohe Bewölkung, aber immerhin Der Himmel hatte eine Struktur. Wahnsinn! Mir wurde ganz anders zu Mute, ehrfürchtig, demütig. Was sind wir Menschen bloß für ein Gewürm!

Immerhin schaffen „wir“ es, immer wieder Oasen zu bauen. Eine solche ist Broome. Wer wie üblich mit dem Flugzeug hier ankommt, merkt nicht einmal etwas von der schönen einsamen Weite, in der Broome gelegen ist. Hier tobt das Touristenleben, d.h. noch nicht so richtig, denn es ist Herbst, also hier Vorsaison. Lest bei Wikipedia über diesen Ort nach! Ich werde ihn entdecken, und die Kimberley dazu. Ich habe heute noch etwas ganz Spezielles gebucht...

Ach ja, dazwischen der 80 miles beach. Tolle Sache, aber nur zum Angeln, nicht zum Baden: Box-Jellies (= gefährliche Giftquallen)! Die verschwinden im Winter zum Glück von diesen Küsten. Noch einmal eine wunderschöne endlose Weite: Meer und Sand und Muscheln!

Heute ist für mich Halbzeit, kaum zu glauben. In vier Wochen soll ich um diese Zeit schon wieder in München gelandet sein. Ich habe mir einen Cognac genehmigt nach dem Dinner. Ich finde, der Anlass ist es wert. Immerhin habe ich schon fast 4000 km mit dem Auto zurückgelegt mit allen Zickzacks, und unglaublich viel gesehen. Die Zeit ist vergangen wie im Fluge. Ich empfinde das kaum, denn ich denke nur in „morgen“ und allenfalls „übermorgen“ und decke die Erfahrungen des vergangenen Tages mit neuen Erlebnissen zu. Dieses Blog und ihr, liebe Leser, helft mir dabei, nicht alles sofort zu vergessen, sondern im Nachdenken und Nachgehen ein Stückchen von dem festzuhalten, was wir „Erinnerung“ und „Erfahrung“ nennen. Eine solche Reise bringt einen wahrlich zu neuen, ganz anderen (Selbst-) Wahrnehmungen. Die Zeit vergeht, und ist man erst mal „über den Berg“, vergeht sie noch schneller. Ich werde mir darüber keinen Kopf zerbrechen, sondern weiterhin voller Neugier und positiver Stimmung und Erwartung den Dingen entgegensehen, die da noch auf mich zu kommen werden. - Ein paar Bilder „aside“.