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Sonntag, 3. Mai 2009

Ein Fest für die Sinne


Die heutige Tour in den Francois Peron NP war ein Fest für die Sinne, insbesondere die Augen. Diese Farben! Eigentlich gab es auf dem langen Ende der Halbinsel ja wenig Spektakuläres zu sehen. Falsch gedacht. Was sich an Formen und Farben der Landschaft und des Meeres vor einem auftat, war wirklich atemberaubend. Marvelous – seht selbst! Obwohl die Bilder nur einen ganz kleinen Eindruck wiedergeben von der Weite der Aussicht, dem Geruch und Gehör und vor allem von dem außergewöhnlichen Licht, das hier an der Spitze dieser Landzunge Cape Peron herrschte. Diese intensiven Farben, man glaubt es kaum: alles echt auf den Fotos. Dazu Haie im Wasser sowie Stachelrochen, jede Menge spielender Fische, sogar einen Dugong konnten wir sichten! Das Foto, das mir dazu 'gelang', ist allerdings nur was für Eingeweihte, weil es darauf so gut wie nichts als Wasser zu sehen gibt. Darum ist es in dem Webalbum auch nicht enthalten. Man kann vielleicht bei den Fotos ein wenig ahnen, was es dort wirklich 'live und in Farbe'  in vielen wunderbar intensiven Farben zu sehen und zu erleben gab.

Wir waren eine kleine Gruppe zu 3 Personen, außer mir noch ein junger Brite, der von der Sprache her für mich kaum zu verstehen war, und eine ebenso junge Deutsche, die als Werkstudentin seit 2,5 Jahren in Australien lebt und den hiesigen Akzent absolut gut drauf hatte. So sprachen auch wir beide miteinander nur englisch – verrückt. Allmählich traue ich mich auch, mich einfach einzumischen und mit zu unterhalten; ich werde da auch sprachlich immer sicherer (muss nicht unbedingt heißen: besser...) und eigne mir vieles von der Sprache by doing an. Macht Spaß, und die Erfolgserlebnisse überwiegen die Misserfolgserlebnisse (dann fehlt einem einfach wieder der richtige Ausdruck und man stammelt) bei weitem. Der Tag war also einer von den ganz guten, zumal das Dinner in dem Shellstone-Restaurant („Old Pearler“) hinsichtlich der dargereichten Meeresfrüchte absolut nichts zu wünschen übrig ließ: Es war rundrum ein Genuss und damit der würdige Abschluss eines fantastischen Tages.

Samstag, 2. Mai 2009

Spuren der Vergangenheit


Eine Fahrt durch eine immer mehr dem Outback gleichende Landschaft ist schon eine besondere Sache. Mich fasziniert die Weite und scheinbare Eintönigkeit, die doch beim näheren Hinsehen voller Vielfalt insbesondere der Flora ist; die Fauna sehe ich natürlich beim Durchfahren weniger, abgesehen von den häufigen Emu-Gruppen, die auf den Parkplätzen nach Fressbarem suchen. Ich liebe diese karge und doch reiche Landschaft, sie schlägt mich wieder voll in ihren Bann. Wenn dann noch wie bei der Zufahrt zur Shark Bay ab und zu der Ozean blau dazwischen blinkt, dann ist das Glück fast vollkommen.

Es gab wirklich viel zu sehen. Die Stromatolithen der Hamelin Bay sind zwar als solche auch noch nicht so alt, erst nach der letzten Eiszeit vor ca. 6000 Jahren entstanden, aber die Lebensform, die sie repräsentieren, Cyanobakerien, gehören zu dem Ältesten, was wir überhaupt an Lebewesen kennen. Sie haben erst den Sauerstoff in der Atmosphäre geschaffen, der dann Grundlage allen weiteren Lebens wurde. Diese Lebensform nun immer noch aktiv am Werk zu sehen (siehe die Bläschen!), das macht schon ganz eigene Gefühle, als ob man der Schöpfung direkt im Rückblick zuschauen würde. So ging es mir auch bei den roten Felsschluchten des Murchison, die immerhin eine Zeit zeigen, in der es noch keine Lebewesen unserer Art auf Erden gab. Über solche Steine läuft man nun... Die Ausblicke auf die Shark Bay sind großartig. Monkey Mia kann man allerdings vergessen, das ist nur ein großes Resort, das von der Attraktion der morgendlichen Delfin-Fütterung lebt; ich habs gesehen, mehr muss ich nicht sehen; Bilder davon zeige ich keine, lohnt sich nicht.

Interessant ist die Region als Weltkulturerbe wegen ihres besonderen Artenreichtums. Man hat vor der Halbinsel, auf der Denham liegt, einen Elektrozaun gezogen (siehe Fotos), der nicht-lokale Tierarten fernhält; die wilden Katzen, Füchse und Kaninchen wurden vor Jahren beseitigt. Seitdem werden hier bevorzugt diejenigen Beuteltiere wieder angesiedelt, die in Australien heimisch, aber schon fast ausgestorben waren. „Projekt Eden“ heißt das Ganze sinniger Weise. Davon werde ich morgen bei dem Tagesausflug in den Francois Peron NP sicher mehr erfahren, gilt er doch hier als das besondere Kleinod dieser Gegend, der allen Reichtum der Flora und Fauna der Shark Bay enthält. Und die Muschelbänke sind auch sehenswert! Ich habe heute in einem der wenigen existierenden Häuser (Old Pearler restaurant) gebaut aus Muschelstein zu Abend gegessen. 

Thema Wasser: Die ältesten Settler bohrten im 19. Jahrhundert so tief, bis sie in knapp 500 Meter Tiefe auf Wasser stießen: artesische Brunnen lieferten nun das Tiefengrundwasser, das weite Teile des australischen Kontinents erfüllt. Dieses Reservoir ist natürlich endlich, das haben die Australier auch rasch erkannt. Darum gibt es immer mehr Projekte zur Wasser-Rückgewinnung, so wurde es in Kalbarri im Hotel erklärt (Trennung von Trink- und Brauchwasser), aber auch wie hier in Denham Entsalzungsanlagen, die das Trinkwasser aus dem Meer liefern. Dazu gibt es hier im Resort einen eigenen Handzettel, der das erklärt und dazu auffordert: „Please use our water wisely!“ Wasser wird als wichtige Ressource ins Bewusstsein gerückt, in dieser trockenen Region ganz besonders, in der man schon immer kostbares Regenwasser in Zisternen sammelte (so die „stations“, also die Farmer).  Daher lebe ich hier auch im Bewusstsein dieser riesigen Vergangenheit genau mitten in der Gegenwart und bin jetzt für eine Zeit lang Teil dieser ganz besonderen und einzigartigen Welt.